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Farbtemperatur und Spektrum – wie die Zusammensetzung des Lichts unsere Wahrnehmung bestimmt

Licht kann warm, neutral oder kühl erscheinen. Eine warmweiße Beleuchtung erzeugt eine andere Atmosphäre als eine neutralweiße oder tageslichtweiße Lichtquelle. Hinter diesen Unterschieden stehen physikalische Eigenschaften des Lichts, die sich präzise messen und beschreiben lassen.

Zwei Größen spielen dabei eine zentrale Rolle: die Farbtemperatur und die spektrale Zusammensetzung des Lichts. Während die Farbtemperatur den wahrgenommenen Weißton einer Lichtquelle beschreibt, gibt das Spektrum Auskunft darüber, welche Wellenlängen im abgestrahlten Licht enthalten sind und mit welcher Intensität sie auftreten.

Diese Unterscheidung ist insbesondere bei modernen LED-Systemen wichtig. Zwei Lichtquellen können dieselbe Farbtemperatur von beispielsweise 3.000 Kelvin aufweisen, obwohl sie sich in ihrer spektralen Verteilung, ihrer Farbwiedergabe und ihrem genauen Weißton unterscheiden.

Für die professionelle Beleuchtungstechnik reicht die Angabe einer Kelvin-Zahl deshalb häufig nicht aus. Erst die gemeinsame Betrachtung von Farbtemperatur, Spektrum, Farbort und Farbkonstanz ermöglicht eine umfassende Bewertung einer Lichtquelle.

Das gilt in besonderem Maße für großflächige LED-Beleuchtungen. Bei hinterleuchteten Glasflächen, Lichtdecken, Leuchtwänden oder architektonischen Lichtflächen können bereits geringe Farbabweichungen zwischen einzelnen LED-Modulen die visuelle Qualität beeinträchtigen.

Dieses Kapitel erläutert die physikalischen Grundlagen der Lichtfarbe, die Besonderheiten unterschiedlicher Lichtspektren und die technischen Kennwerte, mit denen sich weißes LED-Licht präzise charakterisieren lässt.

Was ist die Farbtemperatur des Lichts?

Die Farbtemperatur beschreibt den Farbeindruck einer Lichtquelle durch den Vergleich mit der Strahlung eines idealisierten thermischen Strahlers. Dieser sogenannte Plancksche Strahler sendet bei unterschiedlichen Temperaturen Licht mit jeweils charakteristischer spektraler Zusammensetzung aus.

Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben. Niedrige Werte stehen für einen eher warmen, gelblich bis rötlich wirkenden Lichtton. Mit zunehmender Farbtemperatur verändert sich der Farbeindruck über Neutralweiß zu einem kühleren, zunehmend bläulich wirkenden Weiß.

Eine klassische Glühlampe besitzt beispielsweise eine Farbtemperatur im Bereich von ungefähr 2.700 Kelvin. Das sichtbare Licht solcher Lampen entsteht durch die thermische Strahlung eines erhitzten Glühfadens.

Bei weißen LEDs funktioniert die Lichterzeugung dagegen anders. Hier entsteht das sichtbare Licht durch elektrolumineszente Prozesse in Halbleitern und häufig durch zusätzliche Wellenlängenkonversion mithilfe von Leuchtstoffen.

Deshalb ist bei LEDs die Bezeichnung korrelierte Farbtemperatur (Correlated Color Temperature, CCT) technisch präziser. Sie beschreibt die Temperatur desjenigen Planckschen Strahlers, dessen Farbort dem Farbort der untersuchten Lichtquelle am nächsten liegt.

Die Angabe „3.000 K“ bedeutet bei einer weißen LED folglich nicht, dass ein Bauteil auf 3.000 Kelvin erhitzt wird. Sie beschreibt vielmehr die Ähnlichkeit des erzeugten Lichts mit dem Farbeindruck eines entsprechenden thermischen Strahlers.

 

Von Warmweiß bis Tageslichtweiß – die Kelvin-Skala

In der Beleuchtungstechnik haben sich verschiedene Bezeichnungen für Weißtöne etabliert. Sie erleichtern die Auswahl einer Lichtfarbe, ersetzen jedoch keine präzise farbmetrische Beschreibung.

FarbtemperaturÜbliche BezeichnungTypischer Farbeindruck
1.800–2.200 KExtra WarmweißDeutlich warm, gelblich bis bernsteinfarben
2.700 KWarmweißWarmes, wohnliches Weiß
3.000 KWarmweißWarm, etwas weniger gelblich
3.500 KÜbergangsbereichZwischen warmem und neutralem Weiß
4.000 KNeutralweißSachliches, relativ neutrales Weiß
5.000 KNeutralweiß bis TageslichtweißKühleres Weiß
6.500 KTageslichtweißKühl wirkendes Weiß, ungefähr im Bereich des Normlichts D65

Die Übergänge zwischen diesen Bezeichnungen sind nicht als scharfe physikalische Grenzen zu verstehen. Je nach Hersteller, Anwendungsbereich und zugrunde gelegter Klassifikation können die Zuordnungen leicht voneinander abweichen.

In Wohn- und Aufenthaltsbereichen werden häufig warmweiße Lichtfarben bevorzugt. Neutralweiß findet unter anderem in Arbeitsumgebungen, gewerblichen Räumen und technischen Anwendungen Verwendung. Höhere Farbtemperaturen kommen beispielsweise bei bestimmten Prüf-, Präsentations- und Beleuchtungsaufgaben zum Einsatz.

Dabei ist die Auswahl einer Lichtfarbe nicht allein eine Frage des Geschmacks. Auch Helligkeit, Umgebungsfarben, Oberflächenmaterialien und die Sehaufgabe beeinflussen, wie angenehm und passend ein bestimmter Weißton wahrgenommen wird.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Tageslichtweiß und tatsächlichem Tageslicht. Eine LED mit 6.500 Kelvin kann hinsichtlich ihres Farborts einem tageslichtähnlichen Weiß entsprechen, ohne die spektrale Verteilung natürlichen Tageslichts nachzubilden.

Die Farbtemperatur beschreibt also den Weißton, nicht die vollständige physikalische Zusammensetzung des Lichts.

 

Der Plancksche Strahler als Grundlage der Farbtemperatur

Der Plancksche Strahler, auch idealer schwarzer Körper genannt, ist ein theoretisches Modell aus der Thermodynamik. Er absorbiert die auf ihn treffende Strahlung vollständig und emittiert abhängig von seiner Temperatur elektromagnetische Strahlung mit einer charakteristischen spektralen Verteilung.

Diese Verteilung wird durch das Plancksche Strahlungsgesetz beschrieben. Mit zunehmender Temperatur steigt nicht nur die abgestrahlte Leistung, sondern das Maximum der spektralen Strahlung verschiebt sich auch zu kürzeren Wellenlängen.

Das lässt sich am Beispiel erhitzter Körper veranschaulichen. Ein zunächst dunkel erscheinender Gegenstand beginnt bei ausreichend hoher Temperatur rötlich zu glühen. Bei weiterer Erwärmung verändert sich sein sichtbarer Farbeindruck über orange-gelbe Töne bis hin zu weißlichem Licht.

Trägt man die Farborte solcher idealen thermischen Strahler für verschiedene Temperaturen in einem geeigneten Farbdiagramm ein, entsteht der Plancksche Kurvenzug (Planckian Locus).

Er bildet die grundlegende Referenz für die Angabe von Farbtemperaturen.

Technische Lichtquellen müssen allerdings nicht exakt auf diesem Kurvenzug liegen. Insbesondere LED-Licht kann einen Farbort besitzen, der etwas oberhalb oder unterhalb der Planckschen Kurve liegt.

In solchen Fällen wird die korrelierte Farbtemperatur verwendet. Sie ordnet dem gemessenen Farbort die nächstgelegene Farbtemperatur eines Planckschen Strahlers zu.

Dadurch entsteht eine einheitliche Vergleichsgröße für Lichtquellen, deren Spektrum nicht dem eines thermischen Strahlers entspricht.

Die CCT ist jedoch nur für Lichtfarben in ausreichender Nähe zum Planckschen Kurvenzug sinnvoll. Für deutlich gesättigte Farben wie reines Rot, Grün oder Blau ist eine Angabe als gewöhnliche Weißlicht-Farbtemperatur nicht zweckmäßig.

 

Das Lichtspektrum – die Zusammensetzung einer Lichtquelle

Die spektrale Leistungsverteilung beschreibt, wie sich die ausgesandte Strahlungsleistung einer Lichtquelle auf die verschiedenen Wellenlängen verteilt.

Im sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums liegen diese Wellenlängen ungefähr zwischen 380 und 780 Nanometern.

Jeder Wellenlängenbereich trägt unterschiedlich zur visuellen Wahrnehmung bei. Kurzwelliges sichtbares Licht erscheint überwiegend violett bis blau, mittlere Wellenlängen tragen zu grünen Farbeindrücken bei und längere Wellenlängen zu gelben, orangefarbenen und roten Farbeindrücken.

Für die technische Beschreibung wird die spektrale Leistungsverteilung häufig als Kurve dargestellt:

  • Die horizontale Achse zeigt die Wellenlänge in Nanometern (nm).

  • Die vertikale Achse zeigt die spektrale Strahlungsleistung beziehungsweise eine relative, normierte Intensität.

Ein solches Diagramm macht sichtbar, in welchen Wellenlängenbereichen eine Lichtquelle besonders viel Strahlungsenergie aussendet und wo vergleichsweise wenig Strahlung vorhanden ist.

Kontinuierliche und diskontinuierliche Spektren

Bei thermischen Strahlern, etwa einer Glühlampe, ergibt sich ein kontinuierliches Spektrum. Strahlung wird über einen breiten Wellenlängenbereich ausgesendet, ohne dass große Lücken zwischen einzelnen Wellenlängenbereichen auftreten.

Andere Lichtquellen besitzen dagegen Spektren mit ausgeprägten Maxima oder vergleichsweise schmalen Emissionsbereichen.

Die spektrale Zusammensetzung von Leuchtstofflampen ist beispielsweise durch die Kombination von Entladungslinien und Leuchtstoffemissionen geprägt.

Weiße LEDs erzeugen häufig ein Spektrum mit einem relativ schmalen Maximum im blauen Bereich und einer breiten zusätzlichen Emission in anderen Teilen des sichtbaren Spektrums.

Diese Verteilung entsteht typischerweise dadurch, dass ein Teil des blauen Lichts einer LED durch Leuchtstoffe in längerwelliges Licht umgewandelt wird. Die Überlagerung aus verbleibendem blauen Licht und konvertiertem Licht wird vom menschlichen Auge als Weiß wahrgenommen.

Andere LED-Architekturen nutzen beispielsweise violette Pumpquellen mit mehreren Leuchtstoffen oder die additive Mischung verschiedenfarbiger LED-Kanäle.

Warum das Spektrum entscheidend ist

Das Spektrum enthält Informationen, die sich aus der Farbtemperatur allein nicht ableiten lassen.

Zwei Lichtquellen mit identischem Farbort und damit identischer korrelierter Farbtemperatur können unterschiedliche Spektren besitzen. Obwohl beide zunächst gleich weiß erscheinen, können sie farbige Gegenstände unterschiedlich wiedergeben.

Der Grund liegt darin, dass Materialien die einzelnen Wellenlängen des einfallenden Lichts unterschiedlich reflektieren oder transmittieren. Fehlen in einer Lichtquelle bestimmte spektrale Anteile oder sind diese nur schwach vertreten, verändert dies die spektrale Zusammensetzung des von der Oberfläche zum Auge gelangenden Lichts.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich die Bedeutung von Farbwiedergabeindizes wie CRI beziehungsweise Ra und moderneren Bewertungsverfahren wie TM-30. Diese werden im Kapitel „Lichtqualität und Wirkung auf den Menschen“ ausführlicher behandelt.

Die Farbtemperatur beschreibt somit den Weißton einer Lichtquelle. Ihr Spektrum bestimmt wesentlich mit, wie beleuchtete Farben unter dieser Lichtquelle erscheinen.

 

Farbort und Duv – warum dieselbe Farbtemperatur unterschiedlich aussehen kann

Die korrelierte Farbtemperatur ist eine wichtige Kenngröße zur Beschreibung weißer Lichtquellen. Für eine vollständige Charakterisierung ihres Farbeindrucks reicht sie jedoch nicht aus.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Problem: Zwei LED-Module besitzen laut Datenblatt eine Farbtemperatur von 4.000 Kelvin. Werden sie nebeneinander betrieben, erscheint das Licht des einen Moduls möglicherweise leicht grünlich, während das andere einen schwachen Magentastich aufweist.

Obwohl die angegebene Farbtemperatur identisch ist, unterscheiden sich die tatsächlichen Farborte.

Der Farbort im CIE-Farbdiagramm

Ein Farbort beschreibt die Farbigkeit eines Lichtreizes durch Koordinaten in einem definierten Farbsystem.

In der Lichttechnik wird hierfür unter anderem das CIE-1931-xy-Farbdiagramm verwendet. Die darin enthaltenen Koordinaten x und y ermöglichen eine eindeutige farbmetrische Beschreibung der Chromatizität, also der Farbigkeit unabhängig von der Helligkeit.

Für eine empfindlichere Bewertung kleiner Unterschiede zwischen Weißtönen werden häufig auch Koordinaten des CIE-1976-u′v′-Systems herangezogen.

Auf diesen farbmetrischen Grundlagen lässt sich präziser feststellen, wie sich die Lichtfarben zweier LEDs tatsächlich unterscheiden.

Die Bedeutung von Duv

Die Kenngröße Duv beschreibt den vorzeichenbehafteten Abstand eines Farborts vom Planckschen Kurvenzug im CIE-1960-uv-Farbdiagramm.

Ein Duv-Wert nahe null bedeutet, dass der Farbort nahe der Planckschen Kurve liegt.

Ein positiver Duv-Wert beschreibt einen Farbort oberhalb der Kurve, häufig verbunden mit einer grünlicheren beziehungsweise gelbgrünlicheren Nuance.

Ein negativer Duv-Wert beschreibt einen Farbort unterhalb der Kurve, häufig verbunden mit einem stärker rosafarbenen oder magentafarbenen Farbeindruck.

Die tatsächliche Wahrnehmung dieser Unterschiede hängt zusätzlich von der Farbtemperatur, dem Betrachtungsumfeld und der visuellen Adaptation ab.

Gerade bei hochwertigen Beleuchtungsanwendungen ist Duv deshalb eine wichtige Ergänzung zur Kelvin-Angabe.

Während die korrelierte Farbtemperatur beschreibt, wo eine Lichtquelle entlang des Bereichs der Weißtöne einzuordnen ist, liefert Duv zusätzliche Informationen über ihre Abweichung vom Planckschen Kurvenzug.

 

Farbkonstanz bei LEDs – MacAdam-Ellipsen und SDCM

Neben der gewünschten Lichtfarbe spielt die Übereinstimmung einzelner Lichtquellen eine entscheidende Rolle.

LEDs unterliegen fertigungstechnischen Streuungen. Selbst Bauteile desselben Typs können geringfügig unterschiedliche spektrale Eigenschaften und Farborte besitzen.

Solche Unterschiede sind bei einer einzelnen Lichtquelle nicht unbedingt störend. Werden jedoch viele LEDs nebeneinander eingesetzt, können selbst kleine Abweichungen sichtbar werden.

Um diese Unterschiede zu bewerten, wird in der Beleuchtungstechnik unter anderem das Konzept der MacAdam-Ellipsen verwendet.

Was sind MacAdam-Ellipsen?

MacAdam-Ellipsen gehen auf experimentelle Untersuchungen der menschlichen Farbdifferenzierung zurück.

Sie beschreiben Bereiche um einen bestimmten Farbort, innerhalb derer kleine Farbunterschiede unter den jeweiligen Versuchsbedingungen nur eingeschränkt beziehungsweise ab bestimmten Schwellen wahrgenommen werden.

Die Bereiche haben im CIE-1931-xy-Diagramm eine elliptische Form. Ihre Größe und Ausrichtung hängen vom jeweiligen Farbort ab.

Für die technische Bewertung von LEDs werden solche Toleranzbereiche häufig als Vielfache einer Standardabweichung beschrieben.

Daraus ergibt sich die Abkürzung SDCM – Standard Deviation of Color Matching.

Typische Angaben sind:

AngabeBedeutung
1 SDCMSehr enge Farborttoleranz
2 SDCMEnge Farborttoleranz
3 SDCMHäufig verwendete Toleranz für hochwertige Beleuchtung
5 SDCMGrößere zulässige Farbortstreuung
7 SDCMNoch größere zulässige Farbortstreuung

Die Werte beschreiben Toleranzbereiche, jedoch keine allgemeingültige Garantie für Unsichtbarkeit oder Sichtbarkeit von Farbunterschieden. Ob eine Abweichung wahrgenommen wird, hängt beispielsweise vom Beobachter, der Helligkeit und der räumlichen Anordnung der Lichtquellen ab.

Warum ist die Farbkonstanz bei Lichtflächen besonders wichtig?

Bei einer großflächigen LED-Beleuchtung werden zahlreiche Lichtquellen zu einem gemeinsamen optischen System kombiniert.

Das Ziel besteht darin, eine möglichst homogene Fläche zu erzeugen, auf der keine einzelnen Lichtpunkte, Helligkeitsunterschiede oder unerwünschten Farbverläufe erkennbar sind.

Hierfür genügt es nicht, nur die geometrische Anordnung der LEDs und die Gleichmäßigkeit ihrer Lichtverteilung zu optimieren.

Auch die Farborte der eingesetzten LEDs müssen ausreichend gut übereinstimmen.

Besonders kritisch sind Anwendungen mit gleichmäßig weißen, großflächigen Oberflächen. Dazu gehören beispielsweise hinterleuchtete Glaselemente, Lichtdecken, Lichtwände und hochwertige architektonische Flächenbeleuchtungen.

Für solche Anwendungen können eng selektierte LED-Binnings mit beispielsweise 3 SDCM oder weniger sinnvoll sein. In besonders anspruchsvollen Projekten sind gegebenenfalls noch engere Vorgaben erforderlich.

Die geeignete Toleranz muss allerdings anhand der tatsächlichen Betrachtungsbedingungen festgelegt werden.

Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen der anfänglichen Farbkonstanz und der langfristigen Farbstabilität. Ein enges Binning bei der Herstellung sagt noch nicht aus, wie sich der Farbort einer LED über ihre Lebensdauer verändert.

Wie beeinflussen Diffusoren und Materialien das Lichtspektrum?

Bei der Entwicklung von LED-Lichtflächen ist nicht allein die spektrale Zusammensetzung der eingesetzten LEDs entscheidend. Auch die Materialien, durch die das Licht geführt wird, können seinen Farbeindruck verändern.

Typische optische Komponenten sind Diffusorplatten, transluzente Kunststoffe, Glas, bedruckte Oberflächen und weitere lichtstreuende oder lichtdurchlässige Materialien.

Diese Werkstoffe besitzen jeweils eigene spektrale Transmissions- und Reflexionseigenschaften.

Das bedeutet, dass sie bestimmte Wellenlängen stärker durchlassen, absorbieren oder reflektieren können als andere.

Für einen einfachen Transmissionsfall lässt sich der Zusammenhang näherungsweise durch folgende Beziehung beschreiben:

Sout(λ) = Sin(λ) × T(λ)

Dabei bezeichnet:

  • Sin(λ) die einfallende spektrale Strahlungsverteilung,

  • T(λ) den spektralen Transmissionsgrad des Materials,

  • Sout(λ) die transmittierte spektrale Strahlungsverteilung.

Reale Lichtflächen können zusätzliche Effekte durch Mehrfachstreuung, Reflexion und die geometrische Lichtführung aufweisen.

Ein Diffusor, der beispielsweise kurzwellige Anteile etwas stärker absorbiert als langwellige, kann den resultierenden Farbeindruck in Richtung wärmerer Lichtfarben verschieben.

Auch leichte Eigenfärbungen optischer Materialien können sich auf großen, gleichmäßig leuchtenden Flächen bemerkbar machen.

Die gesamte Lichtfläche muss betrachtet werden

Für die Bewertung einer professionellen LED-Lichtfläche ist daher entscheidend, an welcher Stelle des optischen Systems die Messung erfolgt.

Der vom Hersteller angegebene Farbort eines LED-Bauteils muss nicht exakt mit dem Farbort der fertig aufgebauten Lichtfläche übereinstimmen.

Neben den optischen Materialien können weitere Einflussgrößen hinzukommen:

  • Betriebstemperatur der LEDs,

  • elektrischer Betriebsstrom,

  • Mischungsverhältnis unterschiedlicher LED-Kanäle,

  • Alterung der LEDs und optischen Werkstoffe,

  • räumliche Verteilung und Durchmischung des Lichts.

Insbesondere bei projektbezogenen Sonderlösungen ist es deshalb sinnvoll, die gewünschte Lichtfarbe nicht nur anhand einzelner LED-Datenblätter festzulegen.

Entscheidend ist vielmehr, ob das gesamte optische System unter realistischen Betriebsbedingungen den vorgesehenen Farbeindruck erreicht.

 

Farbtemperatur und Spektrum in der professionellen Lichtplanung

Bei der Planung hochwertiger Beleuchtungssysteme sollte die Farbtemperatur als Teil einer umfassenderen lichttechnischen Spezifikation betrachtet werden.

Die Auswahl eines geeigneten LED-Systems hängt von mehreren Eigenschaften ab, die unterschiedliche Aspekte der Lichtqualität beschreiben.

KenngrößeTechnische BedeutungRelevanz für die Planung
CCT (Kelvin)Korrelierte FarbtemperaturGewünschter Weißton
Farbort (x, y oder u′, v′)Chromatizität der LichtquellePräzise Beschreibung und Vergleich der Lichtfarbe
DuvAbstand zur Planckschen KurveBewertung möglicher Grün- oder Magentanuancen
SDCMFarborttoleranzÜbereinstimmung einzelner LED-Module
Spektrale LeistungsverteilungStrahlungsleistung in Abhängigkeit von der WellenlängeTechnische Bewertung der spektralen Zusammensetzung
CRI / RaAllgemeine FarbwiedergabeBewertung der Farbtreue nach dem CRI-Verfahren
TM-30 Rf / RgFarbtreue und Veränderung des mittleren FarbumfangsWeitergehende Bewertung der Farbwiedergabe

Nicht jede Anwendung erfordert dieselbe Detailtiefe.

Bei einer einfachen Funktionsbeleuchtung kann die Auswahl anhand einer gewünschten Farbtemperatur und grundlegender Qualitätskennwerte ausreichend sein.

Für architektonische Lichtflächen, repräsentative Innenräume, produktbezogene Beleuchtung oder farbkritische Anwendungen ist dagegen häufig eine differenziertere Betrachtung notwendig.

Farbtemperatur bei großflächigen LED-Systemen

Für homogene Lichtflächen ergeben sich besondere Anforderungen.

Zum einen muss die Lichtverteilung über die gesamte Fläche möglichst gleichmäßig sein. Zum anderen soll der gewünschte Farbort an unterschiedlichen Positionen erhalten bleiben.

Wird eine Lichtfläche aus mehreren Modulen aufgebaut, müssen diese Module hinsichtlich ihrer Farborte aufeinander abgestimmt sein.

Auch thermische Unterschiede innerhalb der Konstruktion können von Bedeutung sein. Werden einzelne LED-Bereiche unter anderen Temperaturbedingungen betrieben, kann dies sowohl die Helligkeit als auch die spektrale Zusammensetzung beeinflussen.

Deshalb sollte die Messung möglichst unter definierten Betriebsbedingungen erfolgen. Für anspruchsvolle Anwendungen ist es sinnvoll, den Farbort nicht nur an einer einzelnen Stelle, sondern an mehreren repräsentativen Positionen der fertig montierten Lichtfläche zu überprüfen.

Damit lässt sich die tatsächlich erzielte farbliche Homogenität bewerten.

Spektralmessung statt ausschließlicher Kelvin-Angabe

Ein geeignetes Messinstrument für solche Aufgaben ist das Spektroradiometer.

Es erfasst die spektrale Strahlungsverteilung und ermöglicht daraus die Berechnung zahlreicher farbmetrischer Größen, beispielsweise CCT, Farbkoordinaten und – bei entsprechend geeigneten Messdaten – Farbwiedergabeindizes.

Ein einfaches Farbtemperaturmessgerät kann für eine schnelle Kontrolle nützlich sein. Es liefert jedoch nicht zwangsläufig die spektralen Informationen, die für eine umfassende Bewertung benötigt werden.

Welche Messmethode geeignet ist, hängt daher von der jeweiligen Fragestellung ab.

Die Grundlagen entsprechender Messverfahren werden im Kapitel „Lichttechnik und Lichtmessung“ vertieft.

 

Häufige Fragen zu Farbtemperatur und Lichtspektrum

Was bedeutet 3.000 Kelvin bei einer LED?

Eine LED mit 3.000 Kelvin besitzt einen warmweißen Farbeindruck. Der angegebene Wert ist normalerweise ihre korrelierte Farbtemperatur (CCT). Er beschreibt die Nähe ihres Farborts zum Farbort eines idealen thermischen Strahlers mit 3.000 Kelvin und nicht die physische Temperatur der LED.

Was ist der Unterschied zwischen 3.000 K und 4.000 K?

3.000 Kelvin werden üblicherweise als Warmweiß bezeichnet. Das Licht erscheint vergleichsweise warm und leicht gelblich. 4.000 Kelvin liegen im Bereich Neutralweiß und wirken weniger warm. Die tatsächlich wahrgenommene Lichtfarbe hängt zusätzlich vom genauen Farbort, der Beleuchtungsstärke und der Umgebung ab.

Haben zwei LEDs mit gleicher Farbtemperatur dasselbe Spektrum?

Nein. Unterschiedliche Kombinationen von Wellenlängen können denselben Farbort und damit dieselbe korrelierte Farbtemperatur erzeugen. Zwei LEDs mit gleicher Kelvin-Angabe können deshalb unterschiedliche spektrale Leistungsverteilungen besitzen und farbige Gegenstände unterschiedlich wiedergeben.

Ist Tageslichtweiß dasselbe wie natürliches Tageslicht?

Nein. Tageslichtweiß bezeichnet zunächst einen bestimmten Bereich der wahrgenommenen Lichtfarbe. Natürliches Tageslicht besitzt eine komplexe, veränderliche spektrale Zusammensetzung. Eine LED mit 6.500 Kelvin entspricht nicht automatisch dem Spektrum natürlichen Tageslichts oder der spektralen Verteilung des CIE-Normlichts D65.

Was bedeutet Duv bei LED-Licht?

Duv beschreibt, wie weit der Farbort einer Lichtquelle vom Planckschen Kurvenzug entfernt liegt und auf welcher Seite dieser Kurve er sich befindet. Positive Werte sind häufig mit einer grünlicheren, negative Werte mit einer magentafarbenen Nuance verbunden. Damit ergänzt Duv die Angabe der korrelierten Farbtemperatur.

Was bedeutet 3 SDCM?

3 SDCM beschreibt einen Farborttoleranzbereich, der auf MacAdam-Ellipsen basiert. Die Angabe wird verwendet, um die zulässige Streuung der Lichtfarbe zu spezifizieren. Eine kleinere SDCM-Zahl bedeutet grundsätzlich eine engere Farborttoleranz. Ob Unterschiede sichtbar werden, hängt jedoch auch von den Betrachtungsbedingungen ab.

Welche Farbtemperatur eignet sich für eine LED-Lichtfläche?

Das hängt von ihrer Funktion und der gewünschten Wirkung ab. Warmweiße Lichtflächen werden häufig für wohnliche oder atmosphärische Anwendungen gewählt, neutralweiße Varianten für sachliche und funktionale Beleuchtung. Bei hochwertigen Lichtflächen sind neben der Kelvin-Zahl insbesondere Farbort, Farbkonstanz, Farbwiedergabe und die Eigenschaften des vollständigen optischen Systems relevant.

 

Fazit: Farbtemperatur und Spektrum gemeinsam betrachten

Die Farbtemperatur ist eine der bekanntesten Kenngrößen der Beleuchtungstechnik. Sie ermöglicht eine einfache Einordnung von Lichtquellen anhand ihres warmen, neutralen oder kühlen Farbeindrucks.

Für eine umfassende technische Bewertung reicht die Kelvin-Angabe jedoch nicht aus.

Die spektrale Leistungsverteilung bestimmt, welche Wellenlängen eine Lichtquelle aussendet. Der Farbort beschreibt ihre Chromatizität, während Duv zusätzliche Informationen über die Lage des Weißtons gegenüber dem Planckschen Kurvenzug liefert.

MacAdam-Ellipsen und SDCM ermöglichen darüber hinaus die Bewertung der Farborttoleranz zwischen einzelnen LEDs.

Besonders bei großflächigen Beleuchtungssystemen müssen diese Eigenschaften im Zusammenhang betrachtet werden. Denn die visuelle Qualität einer Lichtfläche hängt nicht nur von ihrer Helligkeit und Gleichmäßigkeit ab, sondern ebenso von einer präzisen und über die gesamte Fläche möglichst konstanten Lichtfarbe.

Die sorgfältige Auswahl und Abstimmung von Lichtquellen, optischen Materialien und Betriebsbedingungen bildet deshalb eine wesentliche Grundlage für hochwertige LED-Lichtsysteme.